Intervention zur Förderung geschichtsdidaktischen Wissens und Könnens zum Formulieren von Aufgaben im Geschichtsunterricht

Mario Resch (PH Heidelberg)

Im Vortrag soll die Entwicklung und Evaluation einer Intervention zur Förderung geschichtsdidaktischen Wissens und Könnens bei Lehramtsstudierenden mit dem Fach Geschichte vorgestellt werden. Die Facetten des geschichtsdidaktischen Wissens werden aus dem Heidelberger Kompetenzmodell für Geschichtslehrkräfte (vgl. Heuer, Resch, Seidenfuß, 2017) abgeleitet. Die Intervention wurde im Rahmen einer Seminarveranstaltung, die im Sommersemester 2018 an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg bei n = 21 Studierenden (Semester: M = 4.69, SD = 1.72) durchgeführt wurde und inhaltlich explizit Aspekte (theoretisch, empirisch, pragmatisch) zum Formulieren qualitätsvoller Aufgaben fokussierte. Die Veranstaltung nutzte einen Wechsel aus Theorie- und praktischen Übungsphasen, gemäß den empirisch geprüften Interventionsbausteinen content focus und active learning (vgl. Ingvarson et al., 2005). Zum Ausschluss möglicher Testwiederholungseffekte wurde zudem eine Studierendengruppe als Kontrollgruppe getestet, die im laufenden Semester Geschichtsseminare besuchten, die keinen expliziten Bezug zum Formulieren von Aufgaben aufweisen (KG ; n = 16 Studierende, Semester: M = 5.55, SD = 1.97).

Die durchgeführte Interventionsmaßnahme wurde anhand eines Vignettentests für das geschichtsdidaktische Können (vgl. Resch, 2018) und eines umfangreichen Fachwissenstests für das geschichtsdidaktisch profilierte Fachwissen (vgl. Resch, Heuer, 2019) evaluiert. Die Testinstrumente wurden in einem klassischen Prä-Post-Vergleichsgruppendesign (Experimentalgruppe und Kontrollgruppe) eingesetzt. Für die Experimentalgruppe liegt zudem ein Teildatensatz der Follow-up Studie (n = 9; Erhebungszeitpunkt sechs Monate nach der Intervention) vor.

Im Vignettentest werden den Studierenden fiktive Unterrichtssituationen und mögliche Handlungsalternativen einer Lehrkraft präsentiert, die die Studierenden nach fachdidaktischer Relevanz auf einer 6-stufigen Likertskala bewerten. Die Antworten der Proband*innen werden mit einer Expert*innennorm verglichen und ausgewertet. Um Einblicke in mögliche Entwicklungen des „geschichtsdidaktischen Blicks“ auf Aufgabenformate untersuchen zu können und um das Ankreuzverhalten der Studierenden besser nachvollziehen zu können, hatten die Proband*innen die Möglichkeit, die zur Einschätzung vorgeschlagenen geschlossenen Items (hier Aufgaben) schriftlich zu kommentieren.

Zur Erfassung des Fachwissens wurde ein Fachwissenstest (insgesamt 113 Items) eingesetzt. Der Test bezieht sich auf Wissensbereiche, die in den Unterrichtsvignetten skizziert werden. Zur Operationalisierung des Fachwissens wurde der Test in Bezug auf das zugrunde gelegte theoretische Modell in die Bereiche Geschichtswissen und Geschichtsdidaktisches Wissen untergliedert.

Lerngelegenheiten werden von Lernenden vor dem Hintergrund individueller Voraussetzungen (u.a. Vorwissen und kognitive Voraussetzungen) unterschiedlich genutzt (vgl. Helmke, 2009). Empirische längsschnittlich angelegte Arbeiten zum Einfluss individueller Voraussetzungen und Kontextmerkmalen auf die Nutzung von Lerngelegenheiten liegen im Bereich der Geschichtsdidaktik lediglich für subjektive Theorien zum Lehren und Lernen vor (vgl. Fenn, 2013). Im Rahmen dieser Evaluation soll daher der Frage nachgegangen werden, welche Faktoren einen Einfluss auf die Entwicklung geschichtsdidaktischen Wissens und Könnens haben. Hierbei wird zunächst geprüft, ob die Abiturnote als Indikator für die kognitiven Voraussetzungen und das Fachsemester sowie die bisher besuchten Seminare mit geschichtsdidaktischem Schwerpunkt als Indikatoren für das spezifische Vorwissen einen Einfluss auf die Entwicklung des geschichtsdidaktischen Wissens und Könnens haben. Außerdem kann das Verhältnis der Kompetenzfacette „Aufgaben formulieren können“ in Bezug auf die Entwicklung des geschichtsdidaktisch profilierten Fachwissens untersucht werden.

Der Vortrag fokussiert die folgenden Fragestellungen:

Erstens soll eine Interventionsmaßnahme (Seminarveranstaltung) zur Förderung geschichtsdidaktischen Wissens und Könnens zum Formulieren von Aufgaben bei Lehramtsstudierenden des Faches Geschichte mittels eines Vignettentests auf ihre Wirksamkeit hin geprüft werden.

Zweitens soll untersucht werden, inwiefern das entwickelte vignettengestützte Testinstrument Entwicklungen im Bereich des geschichtsdidaktischen Wissens und Könnens zum Formulieren von Aufgaben vorhersagen kann.

Aktuell wird der Datensatz aufbereitet. In einem nächsten Schritt werden die Daten über eine ANCOVA ausgewertet, wobei das geschichtsdidaktische Wissen und Können zum zweiten Messzeitpunkt jeweils als abhängige Variable gesetzt werden. Als fester Faktor wird die Gruppenzugehörigkeit aufgenommen. Als Kovariaten werden das geschichtsdidaktische Wissen zum ersten Messzeitpunkt, die Abiturnote und das Fachsemester aufgenommen. Fehlende Werte werden in beiden Testteilen dabei auf 0 gesetzt.

Anhand der zu erwartenden Befunde kann (1) die Wirksamkeit einer Lehrveranstaltung, die in vergleichbarer Form auch als Fortbildung für Lehrpersonen für die zweite und dritte Phase der Lehrerbildung angeboten werden kann untersucht werden. Außerdem können (2) Hinweise zur prognostischen Validität des vignettengestützen Testinstruments generiert werden, um den im Rahmen einer Längsschnittuntersuchung gewonnenen Befund, dass bei Referendarinnen und Referendaren stagnierende Entwicklungen in den Bereichen geschichtsdidaktisches Wissen und Können festgestellt wurde (Resch, Heuer, Lohse-Bossenz, 2019) besser einordnen zu können.

Literatur

Fenn, Monika. (2013). Konstruktivistisches Geschichtsverständnis im Unterricht fördern. Studierende ändern ihr Lehrverhalten von einseitig instruktional in problemorientiert. In Jan Hodel/Monika Waldis/Béatrice Ziegler (Hrsg.), Forschungswerkstatt Geschichtsdidaktik 12. Beiträge zur Tagung „geschichtsdidaktik empirisch 12“ (S. 60-71). Bern: hep.

Helmke, Andreas. (2009). Unterrichtsqualität und Lehrerprofessionalität. Diagnose, Evaluation und Verbesserung des Unterrichts . Stuttgart: Klett.

Heuer, Christian/Resch, Mario & Seidenfuß Manfred. (2017). Geschichtslehrerkompetenzen? Wissen und Können geschichtsdidaktisch. Zeitschrift für Didaktik der Gesellschaftswissenschaften 7 (2), 158-176.

Ingvarson, Lawrence/Meiers, Marion & Beavis, Adrian. (2005). Factors affecting the impact of professional development programs on teachers’ knowledge, practice, student outcomes & efficacy. education policy analysis archives 13, 10. https://doi.org/10.14507/epaa.v13n10.2005

Resch, Mario/Heuer, Christian & Lohse-Bossenz, Hendrik (2019). Zur Entwicklung von Fachwissen und geschichtsdidaktischem Können während des Referendariats – Ergebnisse einer Längsschnittstudie zum Professionalisierungsprozess. Zeitschrift für Geschichtsdidaktik (18), 61-77.

Resch, Mario & Heuer, Christian (2019). Fachwissen und geschichtsdidaktisches Wissen und Können bei Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärtern zu Beginn der zweiten Ausbildungsphase. In Monika Waldis & Béatrice Ziegler (Hrsg.), Forschungswerkstatt Geschichtsdidaktik 17. Beiträge zu Tagung „geschichtsdidaktik empirsich 17“ (S. 107-118). Bern: hep.

Resch, Mario[ (2018). Aufgaben formulieren können. Entwicklung und Validierung eines Vignettentests zur Erfassung professioneller Kompetenz für historisches Lehren. Frankfurt a.M.: Wochenschau.

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